Pflegezeit und Pflegeunterstützungsgeld

Pflegeunterstützungsgeld

Wenn ein Angehöriger unerwartet zum Pflegefall wird, tritt oft eine schwierige Situation ein, in der schnell eine Menge organisiert werden muss. Dafür haben Beschäftigte Anspruch auf eine bezahlte Auszeit von bis zu zehn Arbeitstagen. In einer akut auftretenden Pflegesituation kann so eine bedarfsgerechte Pflege organisiert oder eine pflegerische Versorgung sichergestellt werden. Der Pflegende kann während dieser Zeit eine Lohnersatzleistung bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragen: das Pflegeunterstützungsgeld. Dieses kann bis zu 100 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts betragen.

Pflegezeit

Für die Dauer von bis zu sechs Monaten kann ein Arbeitnehmer Pflegezeit in Anspruch nehmen und sich vollständig oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Dieser Anspruch auf Freistellung besteht in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.

In dieser Pflegezeit wird die Beitragszahlung zur Rentenversicherung von der Pflegekasse übernommen, wenn die Pflegeperson mindestens 10 Stunden in der Woche pflegt. Der Kranken- und Pflegeversicherungsschutz bleibt in der Regel während der Pflegezeit erhalten, wenn der Pflegende sich familienversichern kann. Sollte keine Familienversicherung möglich sein, muss sich der pflegende Angehörige freiwillig in der Krankenversicherung weiterversichern und entrichtet dafür den Mindestbeitrag. Die Krankenversicherung führt automatisch auch zur Absicherung in der Pflegeversicherung. Auf Antrag erstattet die Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen den Beitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung bis zur Höhe des Mindestbeitrages. Der Versicherungsschutz in der Arbeitslosenversicherung bleibt erhalten. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werden von der Pflegekasse übernommen.

Familienpflegezeit

Wenn nahe Angehörige längere Zeit pflegebedürftig sind, wird die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für viele Familien zur Herausforderung. Dafür wurde die Familienpflegezeit eingeführt: In Unternehmen mit mindestens 25 Arbeitnehmern besteht ein Rechtsanspruch auf teilweise Freistellung von bis zu 24 Monaten sowie auf ein zinsloses Darlehen. Damit können Angehörige maximal zwei Jahre ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, um die Menschen zu pflegen, die ihnen nahe stehen. In dieser Zeit erhalten sie 75 Prozent ihres bisherigen Bruttolohns. Kranken- und Pflegeversicherung bestehen in dieser Zeit fort. Nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz erhält der Beschäftigte dann weiterhin so lange 75 Prozent seines Bruttolohns, bis der „Pflegevorschuss“ zurückbezahlt ist

Um den Verdienstausfall während der (Familien-)Pflegezeit abzufedern, können Beschäftigte beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ein zinsloses Darlehen beantragen, das in monatlichen Raten ausgezahlt wird. Nach Ende der Familienpflegezeit wird dieses Darlehen dann ebenfalls in Raten wieder zurückgezahlt. Für die Dauer der Familienpflegezeit besteht ein Kündigungsschutz. Weitere Informationen hierzu finden Sie beim Bundesministerium für Familie.

Einen Überblick über alle Neuerungen der Pflegestärkungsgesetze finden Sie auch beim Bundesgesundheitsministerium.

Darüber hinaus können Beschäftigte eine vollständige oder teilweise Freistellung von der Arbeitsleistung bis zu drei Monaten für die Begleitung eines nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase beanspruchen.
Mehr dazu beim Bundesministerium für Familie.

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